Wir werden immer traurig sein. Nie mehr untraurig. Aber wir können wieder glücklich werden.
Vor ein paar Tagen bin ich über einen Satz gestolpert, der mich nicht mehr losgelassen hat:
„Wir werden immer traurig sein. Nie mehr untraurig. Aber lasst uns versuchen, nicht mehr unglücklich zu sein.“
Ich habe ihn gelesen und gedacht: „Ja. Genau so fühlt es sich an.“
Denn ich glaube nicht, dass Trauer irgendwann einfach verschwindet. Wenn wir einen Menschen wirklich geliebt haben, dann bleibt etwas zurück. Eine Verbindung. Erinnerungen. Momente, die plötzlich wieder ganz nah sind. Manchmal reicht ein Lied, ein Geruch, ein bestimmter Blick in den Himmel, oder eine ganz einfache Alltagssituation.
Und plötzlich ist dieser Mensch wieder da.
Bei mir sind es ganz oft die kleinen Dinge, die mich an Sven erinnern.
Ich habe viele Jahre im Homeoffice gearbeitet. Nicht immer, aber wenn ich von zu Hause gearbeitet habe, gab es diesen bestimmten Moment, den ich heute noch ganz oft vor mir sehe.
Irgendwann um die Mittagszeit stand Sven meistens in der Tür, mit einem Kaffee in der Hand.
„Schatz, du musst Pause machen. Komm, Kaffee trinken.“ Ich war natürlich oftmals gerade mitten in etwas drin. „Gleich“, habe ich gesagt. „Nur noch schnell diese eine Sache.“
Er hat mich daran erinnert, dass es auch wichtig ist, einmal aufzustehen. Durchzuatmen. Pause zu machen.
Damals war das unser Alltag…so selbstverständlich. Heute weiß ich, wie wertvoll genau diese kleinen Momente waren. Es war nicht der große romantische Augenblick, den man sich vielleicht für eine Erinnerung vorstellt. Es war einfach nur eine Tasse Kaffee. Dieser eine Satz von ihm. Der Mensch, der auf mich geachtet hat. Und genau dieses Gesamtpaket fehlt mir am meisten. Diese kleinen Gesten, die so viel Liebe getragen haben.
Aber vielleicht ist das auch ein Teil davon, wie unsere Verbindung weitergeht. Denn wenn ich heute Pause mache, denke ich oft an ihn. Und manchmal muss ich sogar lächeln. Nicht, weil es nicht mehr weh tut, sondern weil ich gleichzeitig spüre, da war so viel Liebe.
Und diese Liebe ist noch da.
Natürlich gibt es immer noch diese traurigen Momente.
Momente, in denen ich ihn vermisse.
Momente, in denen ich denke: „Ach Sven, das würde ich dir jetzt so gerne erzählen.“
🤍Die Traurigkeit gehört dazu
Sie zeigt, wie wichtig dieser Mensch für mich war. Aber heute weiß ich, dass traurig sein und unglücklich sein nicht dasselbe sind.
Das Leben darf wieder schöne Momente bringen, auch wenn jemand fehlt.
Ich erinnere mich noch an die ersten Urlaube ohne Sven.
Die Vorstellung allein war schwierig, denn Reisen waren immer etwas Gemeinsames.
Und dann war ich irgendwann unterwegs, mit diesem komischen Gefühl im Herzen. Ein Teil von mir traurig, ein anderer Teil neugierig. Irgendwann habe ich gemerkt: Ich darf diesen Moment genießen.
Ich darf den Sonnenuntergang anschauen.
Ich darf lachen.
Ich darf neue Erinnerungen sammeln.
Das bedeutet nicht, dass Sven weniger wichtig geworden ist, im Gegenteil. Ich glaube, er hätte sich genau das für mich gewünscht. Dass ich weiterlebe. Dass ich wieder Freude empfinde. Dass ich offen bleibe für das, was das Leben noch für mich bereithält.
🤍Auch bei den Menschen in meinem Leben hat sich vieles verändert.
Ja, manche Menschen gehen…und das tut richtig weh. Aber es bleiben auch die Menschen, die wirklich mit mir weitergehen möchten. Da sind Freunde, die zuhören…die nicht versuchen, die Trauer wegzumachen, sondern einfach da sind.
Und…es kommen neue Menschen dazu. Menschen, die Sven nie kennengelernt haben. Und trotzdem möchten sie ihn kennenlernen.
Sie fragen nach ihm. Sie möchten wissen, wer dieser Mensch war, der mein Leben so geprägt hat. Und das berührt mich sehr. Denn dadurch bekommt Sven auch in neuen Begegnungen einen Platz.
Ich erzähle von ihm nicht, weil ich in der Vergangenheit leben möchte. Ich erzähle von ihm, weil er zu meinem Leben gehört. Weil ich heute der Mensch bin, der ich bin auch durch ihn. Durch unsere gemeinsame Zeit. Durch unsere Liebe. Durch alles, was wir miteinander erlebt haben.
Heute ist mein Vertrauen ins Leben ein anderes geworden.
Es ist nicht mehr dieses unbeschwerte Vertrauen von früher. Es ist tiefer. Es weiß, dass das Leben schwer sein kann. Aber es weiß auch: Ich kann schwere Tage überstehen. Ich kann neue Herausforderungen meistern.
Und am Ende des Tages kann ich sagen: „Ja. Auch diesen Tag habe ich geschafft.“ …mit meiner Trauer, mit meiner Liebe, mit den Menschen an meiner Seite und mit Sven in meinem Herzen.
Ich will nicht vergessen, nicht loslassen, sondern weitergehen. Mit allem, was war und mit allem, was noch kommt.
🤍Denn wir werden immer traurig sein. Nie mehr untraurig. Aber wir dürfen wieder glücklich werden.
Von Herzen 🖤alles Liebe
Eure Peggy
Von der 0 zur 8 – mein Weg zurück ins Leben Danke, dass ich nicht aufgegeben habe
Vor einiger Zeit habe ich mich hingesetzt und mir selbst einen Brief geschrieben. Einen Dankesbrief. Nicht, weil alles gut ist. Nicht, weil ich „fertig“ bin mit meiner Trauer. Sondern weil ich einmal bewusst hinschauen wollte: „Was habe ich eigentlich in diesem Jahr alles geschafft?“
Wenn ich ehrlich bin, gab es eine Zeit, da hätte ich auf einer Skala von 0 bis 10, von „es geht nicht mehr weiter“ bis „das Leben fühlt sich wieder gut an“, wahrscheinlich eine 1 angekreuzt. Vielleicht auch eine 0.
Ich habe keinen Sinn mehr gesehen. Ich hatte das Gefühl, ich komme da nie wieder raus.
🤍Als ich dachte, ich komme da nicht mehr raus
Mein Fokus war nur noch auf Sven gerichtet. Wenn ich Bilder im Kopf hatte, dann immer mit ihm.
Sven mit unseren Freunden.
Sven mit mir im Urlaub.
Sven mit mir hier im Haus.
Es gab kein Bild ohne ihn und genau das hat es so verzweifelt gemacht. Weil ich mir einfach kein „Danach“ vorstellen konnte. Kein Leben, das nicht automatisch ihn beinhaltete. Mein ganzes Denken war rückwärtsgerichtet. Alles drehte sich um das, was war und nicht mehr um das, was noch sein könnte. In diesen Momenten fühlte es sich an, als wäre mein Leben stehen geblieben.
🤍Der erste kleine Perspektivwechsel
Ganz langsam, wirklich langsam, habe ich gemerkt, dass sich mein Blick ein kleines Stück weitet. Nicht, weil ich weniger an Sven gedacht habe. Sondern weil ich irgendwann spürte, es gibt auch ein Leben ohne ihn. Anders. Aber es gibt es.
Neue Begegnungen kamen. Neue Gespräche. Neue Möglichkeiten.
Plötzlich habe ich erlebt, dass ich Dinge auch allein schaffe. Nicht genauso wie früher, aber auf meine Weise. Was mir besonders geholfen hat, war dieser Gedanke: „Was würde Sven jetzt sagen? Was würde er tun?“ Ich habe aufgehört, ihn nur im Gestern zu suchen und begonnen, ihn innerlich mitzunehmen. In meine Entscheidungen. In meine Gespräche. In mein Weitergehen. Genau das hat etwas verändert. Nicht im Außen, sondern in mir.
🌱Mehr bei mir ankommen
In dieser Zeit habe ich angefangen, mir bewusst Raum zu nehmen. Ich habe begonnen zu meditieren. Früher war das nicht mein Weg. Heute ist es ein Anker. Einfach still werden und meine Gedanken wahrnehmen. Mich selbst wieder spüren.
Die Welt draußen ist laut, schnell und voll. Und in der Trauer verliert man sich oft darin. Dieses bewusste Bei-mir-Sein hat mir geholfen, nicht nur im Außen nach Halt zu suchen, sondern in mir. Dadurch habe ich mich neu kennengelernt. Ehrlicher und klarer.
Weniger „Wie sollte ich sein?“
Mehr „Wie bin ich gerade wirklich?“
🤍Ich bin an meiner Seite geblieben
Was mich beim Schreiben besonders berührt hat, war die Erkenntnis, ich war für mich da.
Ich habe funktioniert, ja, aber ich habe nicht nur funktioniert. Ich habe mir Zeit genommen. Ich habe mich immer wieder gefragt: „Was brauche ich gerade?“ Ich habe in mein Herz gehört…in meinen Bauch. Weniger Kopf, mehr Gefühl. Und ich habe meinen Blick geweitet. Nicht alles nur rational erklären wollen, sondern mich auch für Spiritualität geöffnet. Für Gedanken, die größer sind als mein Verstand. Das hat mir Halt gegeben. Es war eine Art Ergänzung…ein Blick über den Tellerrand. Es gab mir Kraft und irgendwie auch ein kleines bisschen Leichtigkeit.
🌱Ich muss nicht alles alleine tragen
Trauer kann sich ziemlich einsam anfühlen. Und ja, es gibt Menschen, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Manche ziehen sich zurück. Manche wechseln das Thema.
Aber ich habe auch etwas anderes erlebt.
Wenn ich den Mut hatte, ehrlich zu sagen, wie es mir geht, auch wenn ich es selbst kaum in Worte fassen konnte, dann haben sich Türen geöffnet. Dann gab es Menschen, die zugehört haben.
Und plötzlich war ich gar nicht mehr so allein.
Seitdem weiß ich, wenn ich mich öffne, wenn ich meine Gedanken teile und meine Hand ausstrecke, dann gibt es Menschen, die sie nehmen. Und das werde ich nie vergessen.
🌱Was mir diese Zeit geschenkt hat
Ich weiß nicht, ob „Geschenk“ das richtige Wort ist. Vielleicht ist es eher eine Entwicklung. Eine Reifung. Ein inneres Wachsen. Ich bin jedenfalls heute viel näher bei mir. Ich weiß besser, was mir wichtig ist. Ich schätze Dinge, die nichts mit Besitz oder Status zu tun haben. Es geht mir weniger darum, wie etwas nach außen wirkt. Mehr darum, wie es sich innen anfühlt.
Ich möchte meinen Weg gehen. Einen Weg, der sich für mich lebenswert anfühlt. Und ich habe verstanden, wie sehr meine innere Haltung dabei eine Rolle spielt.
Ein einfaches Beispiel:
Wenn du denkst, alle Menschen sind rücksichtslos, dann wirst du vor allem genau das wahrnehmen. Wenn du aber beginnst zu glauben, dass es auch Güte gibt, dann siehst du plötzlich kleine Gesten, freundliche Worte, ehrliche Begegnungen.
Es ist wie mit einem neuen Auto:
Sobald du dich für eine bestimmte Marke interessierst, siehst du sie überall. Nicht, weil sie plötzlich häufiger da ist, sondern weil dein Fokus sich verändert hat.
So ähnlich habe ich es mit meinem Blick auf das Leben erlebt. Am Ende ist es meine innere Haltung, die meinen Weg bestimmt. Ich entscheide jeden Tag neu, worauf ich schaue. Nicht auf das, was fehlt, sondern auf das, was noch möglich ist.
🌱Heute
Heute stehe ich auf meiner Skala bei einer 8. Das hätte ich mir vor einem Jahr nicht vorstellen können. Und allein dafür bin ich unglaublich dankbar.
Mein Dank an mich
In meinem Brief stand unter anderem:
Danke, dass du nicht aufgegeben hast.
Danke, dass du weitergemacht hast, auch an Tagen, an denen du nicht wusstest wie.
Danke, dass du dir Hilfe geholt hast.
Danke, dass du wieder begonnen hast, an das Leben zu glauben.
Und vielleicht mag ich dir heute eine Frage mitgeben:
Wann hast du dir zuletzt selbst gedankt?
Nicht für Leistung oder Perfektion, sondern dafür, dass du durchgehalten hast.
Es braucht keine großen Antworten. Vielmehr reicht es, sich selbst anzuerkennen und zu sagen: „Ich sehe, was du geleistet hast.“
Und vielleicht stellst du dann fest…
Du bist weiter, als du denkst.
Alles Liebe
Peggy
